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the
Montag 10. Januar
2005,
Murrende Schüler, eine Klage und Rufe nach Reformen
Straßburg (AFP) - Murrende Schüler, eine Klage
und lautstarke Rufe nach Reformen - sechs Jahrzehnte nach ihrer Gründung
steht Frankreichs Kaderschmiede École nationale d'administration (ENA) im Kreuzfeuer der
Kritik. Doch davon ließen sich
die rund 160 neuen "Enarchen", wie die Musterschüler in Frankreich halb ironisch halb
respektvoll genannt werden, bei ihrem
feierlichen Schulbeginn am Montag die Stimmung nicht verderben. Zumal der Pariser
Minister für den Öffentlichen Dienst, Renaud Dutreil, den Neuankömmlingen versicherte, nun würde alles besser
werden.
Als ersten Schritt wertete Dutreil den nun vollzogenen Umzug von Paris nach Straßburg. Zwar war die Verlagerung schon 1991 beschlossen worden - angesichts heftiger Proteste gegen die "Verbannung in die
Provinz" blieb der Unterricht aber auf
Dies
sei ein "historischer Moment", betonte
Dutreil.
Bisher sei die ENA das "Symbol des französischen Staates" gewesen; mit dem
Umzug in die Europa-Stadt Straßburg zeige sie ihren Willen,
sich nach außen zu öffnen.
Sie solle zu einer international anerkannten Hochschule werden, die "moderne, effiziente Manager" für den öffentlichen Dienst ausbilde - und sich dabei auch vom
Beispiel anderer Länder inspiriere.
Noch ist
die ENA davon weit entfernt. Schließlich hatte sie vor
allem die Aufgabe, Frankreichs hohe Beamte sozusagen aus einem Guss
auszubilden. Seit Gründung der Schule 1945 besetzen ihre Absolventen Schlüsselpositionen in Politik
und Wirtschaft. Staatspräsident
Jacques Chirac gehört ebenso
zum einflussreichen Netzwerk der "Enarchen" wie sein Vorgänger Valéry Giscard d'Estaing, mehrere Regierungschefs und zahllose Minister oder
Firmenbosse.
Experten forderten unter anderem einen
international anerkannten ENA-Abschluss
- etwa einen
"Master" für öffentliche
Verwaltung. Auch die Lehrinhalte müssten sich ändern, wenn
die ENA mehr hochkarätige Studenten aus dem
Ausland anziehen wolle, moniert der 34-jährige Diplomat Vincent Klassen
aus Kanada, der seit Januar
2003 an der ENA studiert. In der Kritik stehen zudem
die Ranglisten für ENA-Absolventen. Nach diesem System darf der beste Absolvent unter allen
Posten aussuchen, die für ENA-Schüler reserviert sind - gefolgt von Zweitbesten und so
fort. Die Letzten haben kaum noch Auswahl.
76 französische ENA-Absolventen
klagten dagegen beim Pariser Staatsrat,
dem höchsten französischen Verwaltungsgericht
- einer Einrichtung, die ihre besten Posten
ebenfalls mit "Enarchen" besetzt.
Auch der endgültige
Umzug nach Straßburg bereitet manchen Bauchschmerzen. "Eine absurde Entscheidung", ärgert sich ein
Student, der lieber anonym bleiben will. Zahlreiche Lehrkräfte arbeiteten in den Pariser Ministerien und müssten immer eigens anreisen. Der Umzug in die Provinz sei der "Abschied
vom Prestige", monierte
das Wirtschaftsmagazin
"L'Expansion". Schon jetzt
seien Pariser Eliteschulen wie das renommierte Institut des Etudes Politiquesviel
attraktiver. Solche Argumente weist Schulleiter Antoine Durrleman als Ausdruck
einer überholten Fixierung auf
Der Palästinenser Asem Khalil kann
die Standort-Diskussion nicht
recht nachvollziehen. Das sei doch
nebensächlich, meint der 28-Jährige, der in der Schweiz Internationales
Recht studiert hat. Er gehört zu
den 39 ausländischen Schülern
aus 30 Ländern des neuen Jahrgangs. Khalil hofft vor
allem, dass die Schule ihm das
Rüstzeug für eine Führungsposition verschafft - und dass er diese eines
Tages in einem unabhängigen Palästinenserstaat ausüben kann.